24. April 2009

Jenseits des Blues, und doch ganz tief drin

Eines ist bereits jetzt klar: Dieses Album vom Altmeister des Rock n' Roll war die Überraschung des ersten Halbjahres 2009 schlechthin. Kurzerhand entschied sich das Management den ursprünglich im Herbst geplanten Release auf den 24. April vorzuverlegen. Die Tatsache, dass die große Europatournee zu der Zeit im vollen Gange ist, schien ein positiver Begleitfaktor zu sein.
Wiedermal schlug Dylan musikalisch eine nahezu komplette Kehrtwende ein: Der Blues und Rock n' Roll des Vorgängers ist zum Teil gewichen und nun erwarten den Hörer eine geballte Ladung von rauen, ungeschliffenen Country-Lovesongs - größtenteils dominiert von David Hildagos Akkordeon Spiel, das einen irgendwo in ein mexikanisches Wüstenkaff versetzt, wo man mit einem Tequilla in der Hand über die Irrungen und Wirrungen der Liebe nachdenken kann. Insgesamt geht es auf dem Album etwas ruhiger zu, die langsamen Balladen behalten durchgehend die Oberhand, nur hier und da findet sich mal ein standard Shuffle (Wie im Opener "Beyond here lies nothing") oder ein kleiner, treibender Blues ("Jolene"). Textlich bleibt Dylan kritisch wie eh und je: Der erhobene Zeigefinger ist es nicht mehr, doch er wird nicht müde aufzulisten, was in der Welt alles nicht so richtig läuft. Sogar die globale Wirtschaftskrise findet ihren Platz im zynischen "My Wife's Hometown" ("State gone broke, the country's dry/Don't be lookin' at me with that evil eye").
Inspiration fand er zu dem Album, als er für den Filmemacher Olivier Dahan die düstere Ballade "Life is hard" schrieb, kurz darauf nahm er mit seiner aktuellen Tour-Band circa 30 neue Songs auf; und 10 davon präsentiert er in diesem Album.
Einen Vergleich zu "Modern Times" zu ziehen wäre nutzlos und auch unangebracht, da es stilistisch zu große Differenzen gibt, niemand hätte so ein Album zu diesem Zeitpunkt erwartet, doch das ist der Grund, warum Bob Dylans Musik auch nach dem 33. Studio Album immer noch ihren Reiz hat.
"Togehter through Life ist definitiv eines der besten Alben des gesamten Jahres und zeugt weiterhin von Dylans musikalischer und textlicher Raffinesse.