24. Mai 2009

Soundcheck: Tori Amos - Abnormally attrackted to Sin

Ihr zehntes Studioalbum veröffentlichte die Sirene am Klavier unter einem neuen Label, "um freier und kreativer arbeiten zu können". Das entstandene Werk distanziert sich recht stark von voran gegangenen Veröffentlichungen und greift zum ersten Mal seit "From the Choirgirl Hotel" und "To Venus and Back" wieder tiefer in die Elektro-Kiste. Bereits der Eröffnungstitel "Give" überrollt den Zuhörer mit seinen sperrigen Dissonanzen und dem surrealistischen Gitarrengewimmer. Dabei erzählt Amos die Geschichte von nächtlichen Liebesabenteuern einer verzweifelten Frau - ganz getreu dem Titel des Albums eben. Eine ähnlich beklemmende Atmosphäre vermag die Sängerin erst wieder im ausufernden und beinahe sogar verstörenden "Lady in Blue", am Ende der Platte, zu erzeugen. Ansonsten lassen die Songs den Zuhörer oft in der Luft verhungern und stellen ihn vor unvollendete Tatsachen: Eingängige Nummern wie "Big Wheel" oder "Bouncing off Clouds" des Vorgängers vermisst man bei den gesamten 17 Tracks.
Der Großteil der Songs widmet sich, wie schon seit einigen Alben, nicht dem persönlichen Leben von Amos, sondern schaut ganz genau auf die Gesellschaft: Überladen von Medien und vollkommen überreizt, ist die Menschheit ihrer Meinung nach in sich verkümmert. Diesen Abgesang verpackt sie im Titeltrack des Albums, der hier und da in den Psychedelic Rock abgleitet. Aber auch die altbewährten Themen wie Macht(missbrauch), Unterdrückung und Befreiung finden ihren Platz in Songs wie "Police Me" und "That Guy".
Doch was wäre Tori Amos ohne die persönlichen und intimen Stücke, die ihre Karriere seit Anbeginn prägen? Diese Wurzeln blitzen in sachte instrumentierten Songs wie "Maybe California", "Curtain Call", "Mary Jane" oder "Orphelia" auf.
Beim Hören hat man durchweg das Gefühl, als würden sich akustische und elektronische Elemente bekämpfen und einen erbitterten Kampf um jedes einzelne Lied ausfechten. Am Ende löst sich jedoch alles in resignierendes Klavierspiel auf, das einen mit einem etwas mulmigen Gefühl zurück lässt.
Amos hat mit dieser Platte ein Werk abgelegt, das vollkommen in ihrem eigenen Kosmos schwebt, aber doch außen vor ist. Selten gab es bei ihr eine derart große Experimentierfreude, mit der sie sich neue Wege für ihr künftiges Songwriting erschließen konnte.

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