Bei einem Altersdurchschnitt weit jenseits der 40 kommt man sich schon ein wenig deplatziert vor, wenn man auf dem Platz an der Jahrhunderthalle Frankfurt auf den Einlass zu einem der interessantesten Rock Events des Jahres wartet. Patti Smith gibt sich die Ehre. Beim einzigen Deutschlandkonzert dieses Jahr ist die Freude bei den Besuchern gleichermaßen hoch wie die Spannung.
Mit den mehr oder weniger warmen Worten "Glad to be back" wird die ausverkaufte Jahrhunderthalle begrüßt und das Konzert mit "Free Money" eröffnet. Die Darbietung zeigt eine etwas introvertierte Smith, die noch nicht ganz aus sich rausgeht und beinah behutsam den Mikrofon-Ständer zu Boden wirft, wurde dieser Song nämlich schon wesentlich eindrucksvoller und intensiver gespielt. Einen definitiven Höhepunkt schaffte die 62-jährige Amerikanerin mit einem auf 12 Minuten ausgewalzten "Are you experienced?" von ihrem Cover-Album Twelve von 2007. Mit sich ins tranceartig steigernden Instrumentalsoli und Klarinetteneinlagen konnte man hier besonders gut erkennen, warum gerade sie als Wegbereiterin des modernen Punk gilt. Mittlerweile scheinen Smith und die Band bestehend aus Lenny Kaye (Gitarre), Jay Dee Daugherty (Drums), Tony Shanahan (Bass / Keyboards) und an Stelle von Jackson Smith Tom Verlaine (Gitarre) auch mit dem deutschen, bekanntermaßen etwas steiferen Publikum, warm geworden zu sein. Von Zurückhaltung ist mittlerweile keine Spur mehr. 
Da es das einzige Konzert in Deutschland war, schob sie vor dem Song "My Blakean Year" eine Improvisation über ihren Besuch in Goethes Geburtshaus ein, wo sie davon berichtet, dass ihr der Geist des Dichterfürsten erschienen sei. Ähnlich esoterisch war auch die Widmung des "Ghost Dance": Selbige ging an den Mond, anlässlich des 40. Jahrestags der Mondlandung, welcher humorvoll mit "Wir waren so eingebildet zu glauben, wir könnten den Mond erobern, indem wir ihn einfach mal so betreten" kommentiert wurde, bevor sie die Halle mit dem hindulesken Mantra vom Ghost Dance zurück in die 60er schleuderte.
Die wenigen freien Flächen vor der Bühne füllen sich schnell bei "Dancing Barefoot" und werden auch nicht leerer, als sie mit einem selten so kraftvollen "Because the Night" die Zuhörer und mittlerweile auch Mit-Tänzer überrollt. Noch immer kämpft die Aktivistin ausgesprochen politisch für das Gute auf der Welt. So mündete eine bebende Ansprache für die kinder in Palästina in den Song "People have the Power". In einem der intimeren Momente des Konzerts sticht besonders die sehr zerbrechliche und reduzierte Version von "Peaceable Kingdom" heraus.
Das abschließende Encore gestaltet sich nicht überraschend, dafür umso gewaltiger. Mit "Gloria" und dem "Babelogue / Rock 'n' Roll Nigger" scheint sie ziemlich genau den Nerv des Publikums zu treffen, wurde das letzte Lied doch auch von einer Frau aus dem Zuschauerraum lauthals verlangt. Aber auch die Sängerin und die Band hatten sichtlich großen Spaß an den beiden Rock-Klassikern, so konnte man einen im Takt springenden Lenny Kaye und einen virtuos seine Gitarre beackernden Verlaine beobachten. Am Ende mussten dann auch einzelnen Saiten vom Smith's E-Gitarre dran' glauben. Die Songauswahl war an diesem Abend sehr passend. Neben standardisierten Klassikern waren auch neuere Alben wie Trampin' und Twelve gut und respektabel vertreten.
Mit einem Appell an die Menschen, sie sollen ihre Stimme benutzen, um sich zu wehren und um mitzubestimmen verabschiedete sich eine an diesem Abend zur Höchstform aufgelaufene Patti Smith. Glücklich war auch sicher der, der seine Tibet-Flagge zum Konzert mitbrachte, die circa die komplette zweite Hälfte des Konzerts entweder die Bühne oder die Schultern der Sängerin zierte.
22. Juli 2009
A Song for the Moon - Patti Smith begeistert Frankfurt
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2 Kommentare:
Nun ja, das zweite Mal (neben der Frankfurter Rundschau), dass jemand schreibt, an der Gitarre hätte Pattis Sohn Jackson gesessen... ...was er nun mal nicht tat!
Woher kommt sowas? Ignoranz? Handwerkliche Schluderei? Zu früh die Halle verlassen (das Line-up gabs nämlich erst am Ende der Zugabe)?
Wers war? Siehe alle anderen im Web verfügbaren Artikel zum Thema. Nur nicht den der FR.
Geil! Wuenschte, waere dort gewesen!
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