6. Mai 2007

Soundcheck: Tori Amos und der Angriff des Puppentrupps

Mit ihrem 9ten und auch neustem Studioalbum, welches ebenso gut "Back to the Roots", anstatt "American Doll Posse", heißen könnte, schöpft die - leicht wahnsinnige - rotschöpfige Tori Amos wieder einmal aus dem Vollen. Ganze 23 (!) Titel hat sie dieses Mal auf die Platte gebannt, um den Menschen da draußen wieder einmal einen Happen ihrer Persönlichkeit zu präsentieren. Zugegeben, auch hier geschieht das, wie zuvor, nicht auf dem Silbertablett: Der Hörer muss sich die Geschichte und die Aussagen, die hinter den Songs warten, richtig erarbeiten... ohne aufmerksames Zuhören, geht es auch dieses Mal gar nicht.
Der Opener beispielsweise ist eine, für Tori selbstverständlich obligatorische, Pianoballade: relativ kurz, aber voll mit politischer Kritik. Mit scharfen Worten macht sie sich über die Bushregierung her. Ähnlich politisch wird sie auf dem Album jedoch nur noch einmal gegen Ende, wo sie in Form von "Dark Side of the Sun" die gefallenen Soldaten im sinnlosen Irakkrieg betrauert.
Vom Aufbau her ähnelt dieses Album sehr stark ihrer 3. Studioplatte: "Boys for Pele". Es gibt mehrere Hauptsongs, die verbunden werden durch einige Interludes, wie zum Beispiel dem tangolastigen "Velvet Revolution". Allgemein fällt bei dieser Scheibe deutlich auf, dass es um einiges schneller ist als alle ihre Vorgänger. Es finden sich häufiger Tracks wie das rockige "Big Wheel" oder das sehr eingängige "Bouncing off the Clouds". Wenn man ganz genau hinhört kann man hier die eingesessenen Alternative-Hörer mäkeln hören: "Das könnte ja fast im Radio laufen!!" Ja das könnte es unter Umständen wirklich. Einige Songs sind, im Vergleich zu früheren Alben, sehr eingängig und leicht verständlich. Die Songs sind abwechslungsreich gestaltet, eine klare Linie in der Genreauswahl gibt es nicht, daher wird die Scheibe auch die gesamten 80 (!!!) Minuten nicht langweilig... endlich mal wieder eine CD, die den Namen Long Player verdient.
Ein weiterer Aspekt dieses Albums ist ihre radikale Abrechnung mit den fundamentalistischen Christen Amerikas, mit denen Tori bereits seit langem auf Kriegsfuß steht.
Das Album wird gesungen von 5 verschiedenen Charakteren: Tori, Clyde, Santa, Isabelle und Pip. Alle Frauen (bzw. Puppen) sind griechischen Gottheiten nachempfunden und repräsentieren Eigenschaften, die in allen Frauen dieser Welt vorkommen.
In diesem Aspekt bleibt Tori ihrem Stil also vollkommen Treu; und dafür sind wir ihr auch dankbar: Weiter so Tori!

Besonderheiten der DVD deluxe Edition:
Eine umfangreiche Bildergalerie und ein Video zum Fotoshooting mit den einzelnen Charakteren. Das ist allerdings mit knapp 6 Minuten ziemlich kurz geraten... Ich hätte mir dann lieber noch ein langes Interview gewünscht, aber der geniale, blues-mäßige Bonustrack "My Posse can do" macht das wieder wett.


Hier eine kleine live Performance ihrer ersten Singleauskopplung "Bouncing off Clouds":

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