7. Januar 2009

Soundcheck: Das Jahr 2008 - musikalisch: Meine Top 10 Alben

Man kann so ein Jahr bekanntlicherweise auf die verschiedensten Arten revue passieren lassen. Ich werde das heute mal auf musikalische Weise machen und stelle hier eine Liste meiner Top 10 Alben von 2008 vor.

10. Emmylou Harris - All I intended to be
Die neue Scheibe der Countrykönigin der 80er und 90er gestaltet sich wesentlich ruhiger als ihre Vorgänger und geht größtenteils in Richtung Folk und löst sich von den alten Klängen. Harris tritt immer mehr als Songwriterin in den Vordergrund. Das gelingt ihr oft, aber auch nicht immer. Manchmal wirken die Songs ein wenig steif und bei Zeiten auch ermüdend, das allerdings nicht zulasten des Gesamteindrucks.

9. Sharleen Spiteri - Melody
Die ganze Welt springt auf den 60er Jahre Roots-Rock und Soul auf. So auch die ex Frontfrau der Band Texas ("Here comes the Summer's Son") . Allerdings weiß das Album sich größtenteils in der Pop-Rock Nische zu bewegen, somit ist die Ähnlichkeit zu anderen Namen wie Winehouse oder Duffy nicht allzu offensichtlich. Nette Jazz und Blues Elemente machen das Album abwechslungsreich und kurzweilig.

8. Lucinda Williams - Little Honey
Nach nur einem Jahr Abstinenz meldet sie sich zurück: Die beste, und wohl auch produktivste, Songwriterin der Welt. Auch hier (wie bei Kollegin Harris) verschwinden die Anfänge im Country immer mehr im Sand. Man erkennt allerdings immer noch klar die Wurzeln der Frau mit der Reibeisenstimme, die hier geniale Songwriter Balladen wie "Circles and X's" krächzt oder rockröhrenmäßig den Opener "Real Love" schmettert.


7. Sia - Some People have Real Problems
In diesem Jahr veröffentlichte die australische Sängerin Sia, die ihre Anfänge mit der Band Zero7 bestritt, ihr drittes Soloalbum mit dem Namen "Some People have real Problems". Ob dies nun als ironisches Abwinken oder welteröffnende Erkenntnis gemeint ist bleibt zunächst schleierhaft. Offensichtlich ist jedoch Fräulein Furlers Gespür für gute Songs: angenehm arrangierte Rock Songs mit guten Songwriter-Qualitäten. Besonderes Highlight der Platte ist der Song "Electric Bird".

6. Tracy Chapman - Our bright Future
Die Königin des Folk und der Gitarre meldet sich zurück. Mit einem ihrer bisher besten Alben. Tiefgründige Texte treffen auf gefühlvolles Songwriting und das in einer so hohen Qualität wie man es heute kaum noch sieht. Nach Chapmans letztem, sehr düsteren und in sich gekehrten Album "Where you live" wirkt dieses Werk geradezu fröhlich. Unter Anderem liegt das wohl an den vielen mid- und uptempo Nummern. Die Sängerin wirft hier einen Blick in die offensichtlich nicht allzu rosige Zukunft der Menschheit, ja beschwört sogar ein Endzeitszenario herauf. So extrem hat man Chapman nur selten gesehen.

5. Randy Newman - Harps and Angels
Randy Newman - Vater der Songwriter aber auch Vater der Zyniker. Zwar offenbart er auf diesem Album keine bahnbrechenden Neurungen, doch befindet er sich auf einem konstant hohen musikalischen sowie lyrischen Niveau. Zu den bekannten Blues und Boogie Shuffles am Piano gibt es beißende Texte über das Ende des amerikanischen Imperiums oder über übereifrige fernöstliche Eltern. Getragen wird das Werk, wie so oft, von seiner charakteristischen sehr nasalen Stimme. Insgesamt ein wahrer Hochgenuss für jeden Fan von bissiger, zynischer Musik oder einfach nur für jeden Fan von Musik.


4. Beth Rowley - Little Dreamer
Das Debutalbum der Engländerin mit der blonden Lockenmähne hat es in sich. Eine extrem gute, soulige Mischung aus Eigenkompositionen und gecoverten Songs. Doch wer glaubt hier den selben Soul zu hören wie er grad Mode ist, liegt falsch. Rowley bringt darüberhinaus sehr viele Jazz und Country Elemente mit, die sie gekonnt in ein homogenes Klangbild zu verwandeln weiß. Und mit Klassikern von Willie Nelson ("Angel flying too close to the Ground") und Jim Crawford ("When the Rains came") bekommt das Album einen ganz eigenen Charme.

3. Laura Marling - Alas I cannot swim
Alles Gute kommt aus England. So sieht es zumindest zur Zeit aus. Marling war gerade mal 18 Jahre alt, als sie dieses geniale Songwriter-Album veröffentlichte. Größtenteils angesiedelt im Folk-Rock wird diese CD so gut wie niemals langweilig. Und ganz in der Manier des Genres singt sie von alltäglichen Dingen die einem im Leben so begegnen oder auch belasten. Jeder kennt Alpträume oder eingebildete Freunde die mehr von sich selbst als von allen anderen halten. Das macht es sehr leicht sich mit dem Werk von Marling zu identifizieren. Zu Recht Bronze für die junge Engländerin.

2. Aimee Mann - @#%&*! Smilers
Seltsamer Titel oder? Phonetisch soll man "Fucking Smilers" lesen. Ein kleines Abreagieren an allen dauergrinsenden Menschen die die Welt eigentlich noch viel unerträglicher machen als sie eh schon ist. Mann, die eine wahre Größe der melancholischen Songs ist zeigt sich hier auch ausgesprochen fröhlich und optimistisch - oftmals im krassen Contraire zum Albumtitel. Dennoch liegt dem Hörer hier eine kleine Songkollektion von erster Klasse vor. Perfekt arrangierte Songs und geniales Songwriting treffen auf eine außergewöhnliche Stimme. Die Songs sind abwechslungsreicher als auf den Vorgängern und allein die beiden Highlights "Borrowing Time" und das swingende Duett "Ballentines" mit Sean Hayes sind Grund genug für den zweiten Platz.

1. Marianne Faithfull - Easy Come Easy Go

Sie kann es immer noch: Die Rock-Diva der 60er und 70er hat es nach wie vor drauf und das beweist sie mit ihrem neuen Album. Dieses Mal gibt es keine Eigenkompositionen sondern nur Neuinterpretationen bereits bekannter Songs. Und wie gewohnt klingt kein Song wie das Original sondern wird zu einem Stück das problemlos aus ihrer eigenen Feder hätte stammen können. Kaum ein anderer Künstler versteht es so gut wie Faithfull sich Songs von Kollegen so zu Eigen zu machen. Sogar "In Germany before the War" klingt bei ihr noch düsterer als beim Altmeister Randy Newman (bekannt von Platz 5) selbst. Das Absolute Highlight des Albums ist das gequälte und leidende "Dear God please help me". Wie bereits beim Vorgänger "Before the Poison" ist es besonders die faithfullsche tiefe und extrem dunkle Stimme - die zeitweise wie ein Reibeisen, das über einen Stein schabt klingt - die das Album außergewöhnlich macht.

Keine Kommentare: